Interview mit Dr. Moeller

Lesen Sie Ausschnitte aus einem Interview anlässlich der Gründung des Kinderwunschzentrums Potsdam für Berlin und Brandenburg.

Reproduktionsmedizin – heißt das nicht, dem lieben Gott ins Handwerk zu pfuschen?
Dr. Moeller: Ich muss zugeben, der Gedanke liegt nahe. Und dennoch geht er weit an der Realität vorbei. Denn die Reproduktionsmedizin steht nicht mal in der Nähe der Möglichkeit, Leben zu schaffen.
Die Situation kann man mit einen Liebespaar vergleichen, das durch einen Fluss getrennt ist. Sie können zueinander nicht kommen. Was wir machen können, ist Brücken bauen, ein Boot fahren lassen oder manchmal auch nur den Weg bis zur nächsten Brücke beschreiben. Manchmal können wir aber auch gar nichts tun. Zum Glück ist das selten.
Was ich sagen will: Mann und Frau bringen mit Samen und Eizellen ihr eigenes Erbgut mit. Wir helfen bei der Fortpflanzung aus genau diesem Erbgut, wenn sich eine Schwangerschaft nicht „mit Bordmitteln“ einstellt. Damit tun wir genau das, was sonst in der Natur abläuft. Und: dies tun wir nur, weil dazu ein guter Grund besteht. Niemand kommt aus Spaß in ein Kinderwunschzentrum. Alle haben ein wichtiges Ziel, vielleicht das wichtigste Ziel im Leben: ein Kind.
Nochmal: wir bauen keine neuen Menschen. Das ist völlig abwegig. Wir versuchen die Hindernisse auf dem natürlichen Wege schwanger zu werden zur Seite zu räumen.

Wo liegen bei Ihnen persönlich die Grenzen?
Dr. Moeller: Genau da, wo der Pfad der guten Medizin verlassen wird. Der beinhaltet vor allen Dingen zwei Prinzipien: erstens Respekt vor den Patienten, auch und gerade vor dem Ungeborenen. Und zweitens das Prinzip, nicht zu schaden.

Sie sind als Mediziner umfassend ausgebildet in Anästhesie, Rettungsmedizin und Frauenheilkunde. Warum haben Sie sich für die Reproduktionsmedizin entschieden?
Dr. Moeller: Ja tatsächlich, auf den ersten Blick sieht das seltsam aus. Aber zum einen ist die Reproduktionsmedizin ein junges Fach, das zu Beginn meiner klinischen Ausbildung noch nicht mal in den Kinderschuhen, sondern erst in den Babysocken steckte. Zum anderen wollte ich eine breite, solide praktische Ausbildung. Dafür bin ich gerne viele Jahre durch die harte Klinikroutine der beiden Facharztausbildungen gegangen. Zudem bin ich überzeugt, dass der direkte Weg zwar der kürzeste ist, aber man sieht auch am wenigsten von der Gegend. Und neugierig war ich schon immer.
Das führte mich dann schließlich auch in die Reproduktionsmedizin. Es ist ein ganz besonders spannendes Gebiet in fortwährender Entwicklung. Eigentlich stehen wir erst am Anfang. Und die Endokrinologie, die Lehre von den Hormonen, ihren Auswirkungen und ihrer Steuerung ist ebenfalls ein enorm spannendes Fach. Für mich persönlich eins der fesselndsten Gebiete der Medizin.

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